dreischneuss_logo_2002

Home

Das ist er

Autoren und Künstler

Leseproben

Ausschreibung

Marien-Blatt Verlag

Links

Bestellungen

Einblicke – Ausblicke

Bleisatzwerkstatt

Impressum

dreischneuss_logo_2002

 

website design software

Der Dreischneuß
Zeitschrift für Literatur, Hrsg.: Regine Mönkemeier
Marien-Blatt Verlag, Lübeckr

Ende einer Vision

Wir schauten uns um auf den Bildschirmen unserer Welt und machten uns klar, dass sie ohne Moral verloren wäre, für immer verloren wäre. Uns war bewusst, dass nur wir es tun konnten, denn wir waren jung und wir kannten uns aus. Auch an Mitteln fehlte es uns nicht, nicht an Leidenschaft und schon gar nicht an Rücksichtslosigkeit. Also beschlossen wir, das Schicksal in unsere Hände zu nehmen, bevor es zu spät wäre, und unserer Vision zu folgen. Der Vision von einer besseren Welt.
Angetrieben von dem Ideal einer moralisch intakten Gesellschaft einigten wir uns auf einige allgemeingültige moralische Grundsätze, deren Implantierung in der Gesellschaft uns unbedingt erforderlich schien.
Nein, Herr Vorsitzender, Zweifel kamen uns nicht. Diese verboten sich ja von selbst angesichts der hehren Ziele, moralischen Ziele, welche wir verfolgten.
Unsere Vision umzusetzen, auf freiwilliger Basis umzusetzen, gestaltete sich allerdings schwierig, weshalb wir uns gezwungen sahen, planvoll und mit dem erforderlichen Nachdruck vorzugehen. Planverfolgung. Verfolgungsplan.
Wir erstellten also einen Maßnahmenkatalog zur flächendeckenden Einführung der Moral.
Inhaftierungslager?
Warum auch nicht. Der Zweck heiligt die Mittel. Was gibt es da zu zweifeln? Zweifellos nichts. Zweifel widerstreben der Moral, der über alle Zweifel erhabenen Moral. Wer wollte denn gegen die Moral sprechen? Der wäre ja schon im Moment des Widerspruchs unmoralisch.
Nun ist das mit der Moralität der Menschen so eine Sache. Demokratie zum Beispiel. Welches Land entwickelt denn schon aus sich heraus eine Demokratie? Und wenn, dann dauert das doch viel zu lange. Man muss schon ein bisschen nachhelfen, sonst wird das nichts. Und das haben wir eben gemacht.
............................................Auszug

                                                                                                    © Gesine Cahenzli, Küssaberg