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Der Dreischneuß
Zeitschrift für Literatur, Hrsg.: Regine Mönkemeier
Marien-Blatt Verlag, Lübeckr

 #Toriker

Papier wiegt schwer, wenn alle Zeichen darauf ruhen. Manch eínen befällt Unbehagen in
dunklen Räumen, wo sich Geschichte bis zur Decke reckt. So fand sich bald eine Gruppe junger Visionäre, die altes Wissen von seinem Staub befreien wollte. Schnell hatte auf dem Hügel verworfener Ideen ein Sprössling erste Wurzeln geschlagen.
Der Weg sollte aus dem Analogen ins Digitale führen und vom Beleuchteten ins Leuchten übergehen. Aus trockenem Rascheln wurde zwangloses Gleiten … und die Historiker-App war geboren.

Man orderte online sein Konto und galt nun im Neudeutsch als ein Historiker. Man postete eifrig den Hastag  #Toriker in die Top Ten und vergnügte sich dabei, dem netten Maskottchen, dem  Histobot, Fragen zu stellen. Wann wurde Caesar geboren? Seit wann das germanische Korma gegoren? Man konnte wischen und wutschen, tippen und touchen, draggen und tanzen, pushen und gratschen. Verspielt, in Popups verloren, im Takt der Symbole zu tänzeln, mit Pixeln den Schirm zu beleben, immer zu, immer zu … und man lernte dazu …wozu? Der Histobot lernte
dazu, suchte in Bäumen im Wald der Archive, webte sein Netz aus Neuronen zusammen, einem surrenden Werk algorithmischer Baukunst. In künstlichen Hirnen verlor man sich leicht. So war es doch leichter, dem Bot zuzuwinken. Und er winkte zurück. Das war süß und man fragte so ganz nebenbei immer weiter …Wann war der Weltkrieg? Wann fuhr die Bahn? Wo war ich eben, was fragte ich wann?

Am Ende rückt das Gestern an morgen heran.
 

                                                                                                            © Christoph Linse, Lübeck