Zugfahrt

 

Es regnet. Vor dem Eisenbahnfenster wird

Deutschland durchgezogen. Der Bühnenbildner

hat sich für Wiesen, Büsche, vereinzelt Bäume

entschieden. An einigen Stellen ist ihm die Farbe

ausgegangen; als verrenkte Schatten fliegen kahle,

winterschwarze Äste vorbei. Farblos auch der

Himmel; nebelnieselnd fällt der Tag aus der Zeit.

Auf Warften verankerte Häuserkulissen, rote

Mauersteine, dunkles Dach — eintöniges

Kalenderbild. Mir fehlen Berge, Tiere, vielleicht

das Meer, Weite und Begrenzung; statt dessen

flache Landschaft bis zur Augengrenze. Bewegen

wir uns denn wirklich vorwärts oder wird doch

bloß immer das gleiche Bild an uns

vorbeigezogen?

 

© Mascha Nicksch, Hamburg