Würmer

 

Es gab kein Kind. Es gab genügend Kinder auf der Welt, die dringend Hilfe nötig hatten, deren unglückliche Kindheit man abwenden konnte. Man brauchte kein eigenes Kind.

Die Sonne ist heiß, die Schonung, voller Kratzer ihre Beine und Vatis Hände. Sonne und Himbeeren überall. »Die mit Würmern ins Kröpfchen, die roten, dicken ins Töpfchen.«

Die milchweiße Plastikkanne mit dem gelben Henkel schaukelt an ihrem Arm. Nachher gibt’s Joghurt mit Himbeeren, heute Abend Pfannkuchen mit Himbeeren. »Würmer bestehen ganz aus Himbeeren, weil sie nur Himbeeren fressen.«

Vatis Lachen, Vatis Hand in ihrer Hand, in der anderen die Kanne, voll bis oben hin. Rote Himbeeren, heiße Sonne.

Günter würde nie sein Kind an die Hand nehmen, Beeren in Kannen pflücken, Himbeerwürmer essen und Märchensprüche sagen. Sie könnte sterben und das Kind bliebe zurück. Bei Günter. »Spiel, was du willst.«

»Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass du Schneckenbutzele heißt«, würde Vati sagen.

Sie weinte.

 

                                                                                            © Ingrid Messing, Bocholt