|
Kein Stillstand, das Laufrad dreht weiter (Anmerkungen zu
Antrobus’ Tagebuch, Gedichte von Maximilian Zander) Antrobus’ Tagebuch
ist der 7. Lyrikband der Edition YE, herausgegeben von Theo Breuer, der auch zuvor schon Gedichte von Zander in seiner Lyrikzeitschrift Faltblatt und in Ende der Saison
als Künstlerbuch in der Edition Bauwagen vorstellte. Maximilian Zander, Jahrgang 1929, Chemiker, weiß - wie Thornton Wilders Antrobus - daß alles weitergeht, wieder und wieder, trotz aller Widrigkeiten. Er belegt es in den
Gedichten: Ach, sie ist grün oder Aus Herrn Antrobus’ Tagebuch, und eine Strophe des Auftaktgedichtes Vom Tage lautet: Wiederkehrend die Vermutung, da muß etwas sein, / das führt dich: wie sonst wäre zu
verstehen, daß man immer noch da ist, bei soviel Klippen. Zander zieht das alltägliche Leben in seine Gedichte, gibt einen Bericht zur Lage. In scheinbar einfacher Sprache erzählt er unkompliziert, mal heiter, mal ironisch,
mal lakonisch, oft mit feinem Hintersinn. In vielen Gedichten richtet er seine Aufmerksamkeit auf das Alter, das Altwerden: … das ist nur der natürliche / Abrieb, … / Rückgang. Der ganz normale / Verfall / aus:
Ein paar ältere Herren. In den Gedichten Pensionist und Von der Veränderung der Sonnenuntergänge wird der Leser sacht von Melancholie berührt. Dann finden sich Gedichte über das Dichten, überzeugend dort, wo
über das Schreiben und Dichten nur Andeutungen gefunden werden - wie in Doppelleben.
Zander bedient sich auch aus den Kammern anderer Dichter, er zitiert und fertigt Collagen. Doch anders als Ulla Hahn z. B., die in ihrem Gedicht Ja Früher wie selbstverständlich den Vers -
und dann und wann ein weißer Elephant - einfügt, belegt Zander die benutzten Splitter und Zitate von Samuel Beckett, Gottfried Benn, J. W. v. Goethe, Käthe Hamburger, Kurt Schwitters u. a.. Unverkennbar: Maximilian
Zander kennt das Metier, weiß wirkungsvoll sein Publikum für Lesungen zu füttern, so im Spiel mit den Wörtern Herz und Schmerz in seinem Poem Aus dem Fränkischen. Zander artikuliert ein Lebensgefühl, in dem sich viele Leser,
ohne rätseln zu müssen, wiederfinden können.
(c) Regine MönkemeierMaximilian Zander: Antrobus’ Tagebuch, Gedichte, Edition YE, Sistig / Eifel 2004, ISBN 3-87512-187-2, 64 S.,
Euro 7,50 |