Lichtorte – Lichtworte

[Über den Gedichtband Das schöne Prinzip von Therese Chromik]

Nicht nur Dreischneußlesern ist Therese Chromik bekannt, die bereits ab der ersten Ausgabe mehrfach in dieser Zeitschrift vertreten war. Marcel Reich-Ranicki stellte sie in seinem Buch Frauen dichten anders vor. Sie wurde schon vor Jahren mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet: Preis der GEDOK Schleswig-Holstein und der GEDOK Rhein-Main-Taunus, Andreas Gryphius Förderpreis, Russland-Reise-Stipendium des VS und des Auswärtigen Amtes, Stipendium des Künstlerhauses Edenkoben. Therese Chromik studierte Philosophie, Germanistik, Geographie und Kunst, sie ist als Leiterin der Theodor-Storm-Schule in Husum tätig und gibt Anthologien und das Jahrbuch »Euterpe« im Husum Verlag heraus.
Der Gedichtband Das schöne Prinzip ist als elftes Buch des umfangreichen Schaffens von Therese Chromik 2006 erschienen. Die gut sechzig Gedichte sind unter verschiedenen Kapiteln versammelt, es spannt sich ein thematischer Bogen über Orte, Natur und ich, Das schöne Prinzip, Liebe, Worte und In fremder Zeit. In den Gedichten zum Thema Orte weisen die schönsten Gedichte zu-gleich auf Personen, auf Künstler oder Schriftsteller wie: Emmy Ball-Hennings, Kafka, Franziska zu Reventlow oder Chagall in dem Gedicht In Krakau - »Wär ich der Geiger von Chagall, / ich spielte über den Dächern, / meine Geige leuchtete gelb, / nachts, wenn ich spiele./ Auch der Mond möchte mitspielen, / ihm wuchsen Fischflossen, / ....// Ich aber fahre hinunter auf dem Schlitten / in den wolkigen Himmel / und pflanze Worte / unermüdlich.«
Das schöne Prinzip wird im titelgebenden Gedicht des Buches als allgemeines Weltprinzip vorgestellt und sodann als Illusion entlarvt »... / Illusion / das schöne Prinzip / das alles durchzieht.«
Mit wenigen Worten erzielt Therese Chromik eine starke Aussagekraft und durch den Wechsel zwischen lakonischer Sprache und eindrucksvollen Bildern fasziniert sie die Leser. In dem Ge-dicht Normierung nennt sie in der ersten Strophe Wörter, die dem
Zeitgeist entsprechen, wie Credits, spricht von effizient, profil-geschärft, innovativ und vom Management der Sprache, um in der zweiten Strophe einen scharfen Kontrast zu schaffen: »// Aber Schmetterlinge fliegen noch, / die geflügelten Wesen auf den Grä-bern, /...«, plötzlich klingt ein Echo auf: Souvenir de Malmaison von Detlev von Liliencron.
Bei Momentaufnahmen von Personen und Dingen entwirft Therese Chromik gekonnte Bezüge, die zu philosophischen Kurzaussagen führen, so im Gedicht Zum Beispiel die Kartoffel sowie im Gedicht von der Urgroßmutter, die Wolle verarbeitete - und so endet: »/ Sie wusste, wie Muster entstehen, / und konnte Fäden entwirren.«
Die lyrische Qualität der Gedichte von Therese Chromik zeigt sich besonders in der sensiblen Verbindung von genauer Beobachtung und metaphorischer Sprache.

Therese Chromik: Das schöne Prinzip, Gedichte, Edition Euterpe, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft mbH. u. Co. KG, ISBN 978-3-89876-273-1 , 72 S., Husum 2006, Paperback, 6,- Euro

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