Gezeitenkalender Am Anfang immer ans Meer. Zu zweit den Kopf in den Sand und, wenn er
frisch aufgeweht ist, die ersten Fußstapfen darauf setzen. Keine ausgetretenen Wege gehen. Auf der geraden Linie zwischen Himmel und Erde Purzelbäume schlagen, uns in die Wellen der Gezeiten werfen und von der Einfachheit der
Berührungen verführen lassen. Im Spülsaum, wo sich wie an allen Übergängen Kostbares und Einmaliges sammelt, Bohrmuscheln auflesen. Zum Beispiel. Oder Treibhölzer. Oder geschliffenes Glas. Barfüßig über die festen Rippelmarken
laufen und im hefigen Wattschlick einen schnelllebigen Fußabdruck hinterlassen, der wenige Sekunden später in der Gleichheit einer Fläche ertrinkt, die Festigkeit nur vortäuscht. Am Anfang immer ans Meer. Hoch hinaus.
Uns im Flug der Möwen wiegen und wissen, dass in den fallenden Bewegungen schon der neue Aufschwung liegt. Den Lauf der Priele weiterträumen bis an die Horizonte und glauben, dass alles unendlich weitergeht
Auszug als Leseporbe
(c) Birgit van der Leeden, Neustadt i. Holstein
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