Truhen

Ich öffne am Abend, in der Dämmerung, regelmäßig meine Truhen, die jenseits der Schränke aufgestellt sind, in noch entlegeneren Kammern. Violett blutet daraus hervor, glühend, in unruhiger Bewegung, und der Fall dieser Stoffe ist weicher, schmiegender noch als jener der orangefarbenen Mäntel, als öffne sich der Verschluss an einem Gefäß mit einer Flüssigkeit, die nicht ganz dünn ist, sondern sich über die Ränder mit zäher Behäbigkeit windet. Vor diesen Truhen ist keine Ruhe, aus ihnen lässt sich nichts hervornehmen. Schlangen nisten darin nicht. Ihre Deckel sind starr und schwer; ihr Gewicht übersteigt beim Anheben noch dasjenige, was man sich vorgestellt hat.

Auszug aus: Zehn Türen. Ein Traumalbum

                                                                       
(c) Jonas-Philipp Dallmann