Der Garten meiner Träume vor Jahren schon, seither unvergessen, sah ich Der Schatz von Eden zum ersten Mal, stets ritt Gary Cooper
vorne, den Hut in die Stirn gezogen, eine Pferdelänge hinter ihm Richard Widmark, der Garten war eine Oase, doch kaum zu unterscheiden von der Wüste, dürres gelbliches Gras, dazwischen drei kahle Bäume, eine Handvoll Sträucher, in
denen der Sand hing, der Teich eine braune Pfütze, darauf stürzten sich alle, die Pferde streckten ihre Hälse nach vorne, Cooper, Widmark und die anderen füllten ihre Hüte, eine Frau war auch dabei, Vera Miles, die nahm ein Tuch,
tauchte es ins Wasser, betupfte damit Nacken und Schläfen es begann harmlos, ein paar Schießereien beim Ritt durch die Wüste, Indianer, Klapperschlangen usw., Gespräche kamen auf, die auch für andere Filme gut wären,
auch für ein Leben jenseits davon, die Zukunft war noch ganz klein und selbst mit Fernrohr kaum zu sehen, sie war ein Grummeln oder ein Pfiff, höchstens mal ein Satz, den man gut beim Essen einflechten konnte, ohne mit dem Kauen
aufzuhören, oder beim Satteln der Pferde, manchmal ging sie auch ganz unter, weil die Reden so voll waren mit Bärenjagden, einem Drink in Dodge City und wie es früher sonst noch war, erst als sie sich dem Garten näherten, wurde die
Zukunft größer und größer, jede Zukunft, von Cooper, Miles und den anderen Abenteurern, und die eine drückte und rieb sich an der anderen denn geritten und geschwitzt wurde für einen Schatz, der einst im Garten versteckt worden
war, Jahreszahlen wurden nicht genannt, aber bereits damals hatte es Leichen gegeben, der Schatz, der hat schon einige begraben, sagte die Miles, mit diesem Wissen musste ich von Beginn des Films an leben, der Schatz war das Ziel
ihrer Träume und das von Cooper, Widmark und den anderen Männern, gleichgültig war ihnen der Garten, das dürre Gras fraßen die Pferde, und hätten sie die Pfütze am Ende ihres Abenteuers leergetrunken, keiner hätte auch
nur eine Träne vergossen, der Garten war für sie ein notwendiges Übel auf dem Weg zu ihrem Ziel, von dem sie jetzt Tag und Nacht sprachen, der eine beschrieb seine neuen Pferde, denen er das Lasso hinterherwerfen würde, der zweite
schwärmte von Whiskey und Frauen, die er sich abwechselnd vornehmen würde, der dritte von einer Farm, die an einem Bach liegen müsste, dorthin würde er abends seine Kühe führen, mehr als Worte sagten ihre Augen, die so groß waren,
dass außer den Träumen nichts darin Platz hatte, währenddessen schaute Gary Cooper die Miles an, die den Blick erwiderte und gleichzeitig solch ein Parfum auf ihr Handgelenk träufelte, dass alle Abenteurer kurzzeitig die Köpfe zu
ihr hindrehten, ohne von ihren Wünschen abzulassen mit der Schaufel, die auf Holz stieß, fing es an, eigentlich hatte ich schon genug von diesem Film und seinem sich immer weiter steigernden Gerede, ich döste vor mich hin und
erhoffte mir auch nichts mehr von der Schatzkiste, aber dieser dumpfe Schlag löste blitzartig eine Kette von Reaktionen aus, die mich aus dem Sessel riss, viele Hände griffen nach der Kiste, sie nach oben zu wuchten und das Schloss
aufzuschießen war eine Bewegung, wie gebannt starrte ich auf den Garten, in dem es drunter und drüber ging, es muss an dem ruckartigen Herausgerissenwerden aus dem Halbschlaf gelegen haben, jedenfalls war in den nächsten
Augenblick, mehr war es nicht, ein Leben gepackt, nein drei, alle bis zum Rand voll mit Ereignissen, die Pferde schlugen aus, Gras wurde ausgerupft und flog durch die Luft, Sand spritzte, das Wasser schlug Wellen, einer griff
voller Wut nach einer Axt und schlug die Bäume kurz und klein, auf einem Stumpf landete ein Geier, Widmark pinkelte in den Teich, Cooper knutschte rücksichtslos mit Vera Miles, bevor er die Pistole zog, Mündungsfeuer, Schreie,
Blut, wie schnell das ging und die Bilder ineinander flitzten, Arme, Beine, Köpfe wirbelten durcheinander, und Gold, natürlich war auch Gold dabei, plötzlich lagen die meisten tot im Sand, Widmark sprach seine letzten Worte,
während ich, der vom Sessel in die Luft gesprungen war, wieder in den Kissen landete Gary Cooper und Vera Miles ritten Hand in Hand davon, hinein ins Happy End, im Abspann wurde erzählt, wofür Bilder nicht mehr notwendig waren,
dass der Schatz, der so groß doch nicht war, gereicht hat für eine Farm und fünfundachtzig Kühe, Cooper ritt abends im Galopp nach Hause, den Hut in die Stirn gezogen, die Frau saß strickend auf der Veranda, nach dem ersten Jahr
winkte sie nicht einmal mehr, obwohl er ihr manchmal Kunststücke auf dem staubtrockenen Hof vorführte, die beiden Kinder, ein Junge, ein Mädchen, bekamen Allergien, bevor sie stehen konnten, und mussten die Tiere meiden, das lese
ich nicht mehr, wenn ich das Video anschaue, diesen Roman zum Schluss kenne ich auswendig, alles andere auch, aber so oft ich Der Schatz von Eden
sah, dieser Augenblick kehrte nicht wieder, nur träumen muss ich davon, denn manchmal spüre ich frühmorgens eine schwache Ahnung dieses Gartens, die mich in Unruhe versetzt, ein kaum anwesender Duft von dürrem Gras, Pulverdampf und dem Parfum von Vera Miles
© Christof Hamann, Solingen
|