der unterschlupf einer winzigen frau

über jahre ist efeu gewachsen, aus beeten die mauern hinauf, in blumenkübel und bis hoch an die stämme alter eichen und linden. der park gleicht einem verwunschenen ort. heute aber rücken die stadtgärtner an. mit harken und heckenscheren beginnen sie auszulichten. das gestrüpp wird geschnitten, herab- und herausgerissen und zu einem haufen zusammengerecht. man wird ihn ver-brennen. – in einem winkel, den zwei aneinanderstoßende mauern bilden, von einem blumenkübel verdeckt, finden die gärtner eine behausung. zwischen weggeworfenen und gesammelten sachen lebt hier seit jahren eine winzige frau. es ist ihr unterschlupf, wie sie sagt, seit neunzehnhundertfünfundsechzig. ja, so lange habe sie hier gewohnt, in der ecke des parks, im eingewachsenen winkel, den zwei aneinanderstoßende mauern bilden, von einem hölzernen blumenkübel verdeckt. so habe sie unbehelligt ihre tage verbracht, still und duldsam in ihrer laube. getrunken habe sie regenwasser, gegessen das, was hunde von knochen übrig ließen.

Auszug als Leseprobe                    (c) Falk Andreas Funke, Wuppertal