Engel

sind auch manchmal ungewaschen. Aber zumindest haben sie keine Haare auf der Brust. Ich habe einmal einen Engel gekannt, der wollte am liebsten jeden Tag brennende Schnecken essen. Naja, dem hab ich heimlich die Ravioli angekohlt, und dann war er auch zufrieden. Dabei hätte ich ihn so verwöhnen können, ich hätte ihm das Köstlichste gekocht, mein kleines Schürzchen wäre vor Geschäftigkeit nur so herumgeflogen; ein Spaziergänger, der von draussen in mein Küchenfenster schaut, hätte mich wirklich nicht unterscheiden können von dem Putzebär, der schon mit Messer und Gabel bereit am Tisch sitzt, seine Flügelchen brav eingezogen, aber die prallen Lippen immer offen.
Wissen Sie, der Himmel ist manchmal so blond und blau, da will ich mir am liebsten das Herz herausnehmen und es da hineinhalten. Ich stell mir vor, mich kitzelt dann so ein süsses blondes Engelchen ganz vorsichtig mit seiner vergoldeten Zunge. Mein Herz zuckt, es juckt, schliesslich springt es auseinander (obwohl doch das Blondchen so vorsichtig war) und regnet meine Freude über der ganzen Stadt aus.
Aber den Richtigen hab ich eben noch nicht gefunden. Sie sind so ungeduldig, wollen immer neue Spässe erleben und man kommt gar nicht hinterher. Dann erwache ich irgendwann aus meinem Traum und bemerke, dass ich schon seit Stunden auf der Parkbank Tauben füttere. Aber auch die flattern weg und verätzen bloß die Putten, die sich um den Dom versammeln.
Wenn es ganz schlimm wird, leg ich mich eben ins Bett, wickle mich dicht in meine Decke ein und dreh mich auf den Bauch. Dann muss ich nur ein Weilchen warten, bis ich leise atme und schon spüre, dass ich fliegen kann. Wissen Sie, dann wird aus jeder Frau ein Mann, und Gott ist auch nicht mehr das, was er mal war.
                                                
                                                                                                                          (c) Crauss., Siegen