Herr Minister, Sie sehen unausgeschlafen aus. Haben Sie schon bemerkt, dass sich Ihre Rolex nicht an Ihrem Handgelenk befindet. Sie lag noch auf dem Couchtisch, dort, wo ich Sie Ihnen am Freitagabend abgezogen habe. Das kommt davon, wenn man zu hastig aufbricht, man vergisst leicht das Wichtigste. Eine extra Portion Küsse hätten Sie noch verstecken müssen, diese abgespeckten, Sie wissen schon, als Wegzehrung für meine Reise ins ungelobte Land. Als ich aufräumte, das Sommerhaus in seinen verschlafenen Winterzustand zurückverwandelte, fand ich nur Unbrauchbares. Über ein angebissenes Praliné wäre ich fast in Tränen ausgebrochen. Glauben Sie, dass Ihnen Ihr Staatssekretär etwas ansieht? Er mustert Sie, als er Ihnen die Schere gibt, so seltsam von der Seite.

                                                                                                               © Brigitte Halenta, Lübeck

                                                                                                       (Auszug aus: So fern – so nah)